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"Gesundheitsförderung findet auf verschiedenen Ebenen statt"

Interview mit Thomas Zehnder, Jugendarbeiter

 

Thomas Zehnder ist einer der ersten sozio-kulturellen Animatoren, der die Qualitätskriterien für Gesundheitsförderung in der Offenen Kinder- und Jugendförderung (QuK) in seiner Arbeit einführte. Im Interview spricht er über seine bisherigen Erfahrungen mit dem Arbeitsinstrument.

 

 

Thomas Zehnder*, hat sich die Gesundheit von Jugendlichen aus Ihrer Sicht verschlechtert?

Nein, vieles wird zurzeit hochstilisiert. Jugendliche Saufgelage gab es schon immer. Die ältesten Schriften, die dies Dokumentieren reichen ins 16. Jahrhundert zurück. Es sind eher die Berichterstattungen in den Medien, die ein verzerrtes Bild liefern. Jugendliche Einzelfälle werden herausgepickt und danach auf die gesamte Jugend übertragen.

 

Trotzdem ist es ein Thema, das Gesellschaft und Politik beschäftigt. Zu unrecht?

Es ist sicher wichtig, dass darüber diskutiert wird, weil: Die Jugend ist immer ein Spiegel der Gesellschaft. Dabei gilt es zu beachten, dass das Thema Gesundheit nicht nur auf den Konsum von schädlichen Substanzen beschränkt wird. Vieles beginnt bereits in den Köpfen der Jugendlichen: Beruflicher Erfolgsdruck und sozialer Austausch sind wichtige gesundheitliche Aspekte, die nicht auf den ersten Blick sichtbar sind.

 

Was bewirkt die offene Jugendarbeit in der Gesundheitsförderung?

Sie findet auf verschiedenen Ebenen statt. Gerade die psycho-soziale Entwicklung ist wichtig. Es macht einen Unterschied, ob die Jugendlichen Zuhause vor der Spielkonsole sitzen oder ob sie sich im öffentlichen Raum aufhalten und dabei sozial austauschen und auch ansprechbar sind. Die offene Jugendarbeit hat ein offenes Ohr, animiert zur Partizipation und leistet damit einen wesentlichen Teil zur Gesundheitsförderung.

 

Was bewirkt die Offene Jugendarbeit betreffend Gesundheitsförderung, was Schule und Elternhaus nicht bieten können?

Durch den Aspekt der Freiwilligkeit sind die Jugendlichen viel offener. Weil in der Offenen Jugendarbeit kein Autoritätszwang besteht, reagieren die Jugendlichen anders auf Regeln und Strukturen, als sie dies beispielsweise in der Schule tun.

 

Seit einigen Monaten wenden Sie die Qualitätskriterien für Gesundheitsförderung in der offenen Kinder- und Jugendförderung an. Inwiefern nützt Ihnen dieses Arbeitsinstrument?

Die QuK dienen mir als wichtiger Leitfaden für meine Projekte. Die vielen Check- und Reflexionsfragen helfen, nichts zu vergessen. Insgesamt erlauben sie ein professionalisiertes Verhalten auf allen Ebenen. Ich benutze QuK bei meinen Tätigkeiten auch als eine Art to-do-Liste.

 

War die Offene Jugendarbeit in Bezug auf die Gesundheitsförderung bis anhin weniger professionell?

So kann man das nicht sagen. Die Offene Jugendarbeit war schon immer gesundheitsfördernd, doch dies war Aussenstehenden zu wenig bewusst. Die QuK sind ein wichtiges Arbeitsinstrument, um mehr Akzeptanz zu erlangen. Gesundheitsfördernde Aspekte in der Offenen Jugendarbeit lassen sich gegenüber Behörden und Geldgebern besser ausweisen.

 

War das bis jetzt nicht möglich?

Doch, aber viele Jugendarbeitende sind praktisch orientierte Leute. Weil sie sehr projektorientiert arbeiten, wird bisweilen vergessen die Arbeit richtig zu dokumentieren. Hält man sich an die Arbeitsunterlagen von QuK, ist man gezwungen Projektskizzen anzufertigen. Das macht die Arbeit transparenter und für Aussenstehende wird klarer, was die Jugendarbeit alles leistet.

 

Ist es nicht etwas zeitaufwendig und umständlich, sich bei jedem Projekt strikte an einen Leitfaden zu halten?

Viele sozio-kulturelle Animatoren kennen ähnliche Arbeitsmittel aus ihren Ausbildungen. Die QuK eignen sich vor allem für grössere Projekte. Für Aktionen und kleinere Projekte empfiehlt es sich, Teile von QuK zu verwenden.

 

Was bringen die QuK neues gegenüber den Arbeitshilfsmittel, die bereits bestehen?

Die QuK fassen mit der Gesundheitsförderung ein sensibles Thema auf, das im Trend liegt und deshalb eine breite öffentliche Wirkung erzielen kann. Die Projektskizze stammt vom Dachverband und erwirkt so einen Autoritätskick, der dazu animieren kann, das Arbeitsmittel auch überregional zu nutzen. Im Optimalfall etablieren sich die QuK in den nächsten Jahren als eine Art Qualitätssiegel.

 

*Thomas Zehnder (1960) wohnt in Affoltern am Albis (ZH) und hat eine Projektmanagement und - Beratungsfirma in Zug und Affoltern am Albis. Im Säuliamt ist er für den Aufbau für MJAS (Mobile Jugendarbeit Region Säuliamt) verantwortlich.

 


Was ist Quk?

Jugendarbeitende leisten jeden Tag Beachtliches an gesundheitsfördernder Arbeit – meist ohne dass sie es als solche wahrnehmen. Dann zum Beispiel, wenn sie Kindern und Jugendlichen neue, positive Erfahrungen ermöglichen, sich um ein angenehmes Klima im Treff bemühen oder auf ein gesundes Verpflegungsangebot achten. Ist also die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen nichts anderes als Gesundheitsförderung für Kinder und Jugendliche?

Tatsächlich haben die Jugendarbeit und die Gesundheitsförderung zahlreiche Gemeinsamkeiten: Beide haben es sich zur Aufgabe gemacht, Kinder und Jugendliche in ihrer Vielfalt zu fördern und sie bei der Entwicklung wichtiger Lebenskompetenzen zu begleiten. Beiden ist es ein Anliegen, dass Kinder und Jugendliche zu gesunden, selbstbewussten Persönlichkeiten heranwachsen, und sowohl die Jugend- als auch die Gesundheitsförderung setzen sich diesbezüglich für die Verbesserung der Rahmenbedingungen ein. Offene Jugendarbeit ist also immer auch Gesundheitsförderung.

Gesundheitsfördernde offene Jugendarbeit will aber noch ein bisschen mehr: Sie will den Blick der Jugendarbeit schärfen für die Anliegen der Gesundheitsförderung und ein Bewusstsein schaffen für die gesundheitsfördernden Aspekte ihrer Angebote.

QuK – Qualitätskriterien für Gesundheitsförderung in der offenen Jugendarbeit wurde als Hilfsmittel zur Unterstützung dieses Prozesses erarbeitet. Es enthält neben Hintergrundinformationen und Beispielen aus der Praxis vor allem eine Reihe ganz konkreter Fragestellungen (Reflexionsfragen). Sie helfen einem Team von Jugendarbeitenden dabei, Bestehendes und Neues aus dem Blickwinkel der Gesundheitsförderung zu überdenken und sein Angebot gezielt in Richtung einer gesundheitsfördernden Jugendarbeit weiter zu entwickeln.

QuK – CriQ ist eine attraktiv gestaltete Arbeitsmappe mit einer Einführung in die Gesundheitsförderung, den Qualitätskriterien und Reflexionsfragen, sowie Arbeitshilfen und dem Würfel als Give-Away als Erinnerungsstütze im Alltag. Einführungsveranstaltungen vermitteln die Information über QuK-CriQ in der offenen Jugendarbeit.

Diese Website dient dem Zugang zu QuK mit Bestell- und Downloadmöglichkeiten und soll den Austausch über Erfahrungen mit QuK unterstützen, z.B. im Forum und bei den Beispielen.